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Pollino Nationalpark: Wildnis im Süden Italiens

Verantwortlicher Autor: Dott. Francesco Pace Pollino / Italien, 05.03.2026, 12:06 Uhr
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Serra Dolcedorme und Monte Pollino prägen die höchste Gebirgslandschaft des südlichen Apennins.
Serra Dolcedorme und Monte Pollino prägen die höchste Gebirgslandschaft des südlichen Apennins.  Bild: Public Domain

Pollino / Italien [ENA] Der Nationalpark Pollino zwischen Basilikata und Kalabrien ist das größte Schutzgebiet Italiens. Hohe Gipfel, spektakuläre Schluchten, seltene Tierarten und der berühmte Lorbeer-Kieferbaum machen die Region zu einem der faszinierendsten Naturgebiete des südlichen Apennins.

Der Nationalpark Pollino erstreckt sich entlang des Apennins zwischen dem Tyrrhenischen und dem Ionischen Meer an der Grenze zwischen Basilikata und Kalabrien. Offiziell wurde das Schutzgebiet 1990 gegründet und umfasst heute mehr als 192.000 Hektar. Die Landschaft ist überwiegend gebirgig und wird von zwei großen Massiven geprägt: dem Pollino-Massiv und dem Orsomarso-Gebirge. Zu den höchsten Gipfeln zählen Serra Dolcedorme mit 2267 Metern, Monte Pollino (2248 Meter), Serra del Prete und Serra delle Ciavole. Zahlreiche Flüsse und Wildbäche – darunter Lao, Sinni, Raganello und Sarmento – durchziehen das Gebiet und formen tiefe Schluchten und alte Täler.

Die Landschaft des Pollino weist zahlreiche Karstformen auf, die durch unterirdische Wasserläufe entstanden sind. Grotten, Höhlen und tiefe Abgründe prägen vielerorts das Relief. Zu den bekanntesten zählen die Grotten der Manfriana und von Serra del Gufo sowie der beeindruckende Abgrund von Bifurto. Neben den Naturwundern besitzt das Gebiet auch ein bedeutendes historisches und archäologisches Erbe. Kirchen, Klöster normannischer Zeit, Burgen und historische Zentren wie Lauria, Calvera oder Chiaromonte erzählen von einer langen Geschichte menschlicher Besiedlung. Funde aus der Bronze- und Eisenzeit sowie prähistorische Zeugnisse zeigen, dass diese Berglandschaft seit Jahrtausenden bewohnt ist.

Die Flora des Pollino ist besonders vielfältig. Etwa 1500 Pflanzenarten wurden im Parkgebiet registriert, ein bedeutender Anteil der botanischen Vielfalt Italiens. Häufige Baumarten sind Steineiche, neapolitanische Erle sowie verschiedene Eichenarten wie Zerreiche, Flaumeiche und Farnetto. In höheren Lagen wachsen ausgedehnte Buchenwälder mit teilweise sehr alten Exemplaren. Das eigentliche Symbol des Parks ist jedoch der sogenannte Lorbeer- oder Panzerkiefer, der Pino loricato. Diese seltene Baumart wächst auf felsigen Höhenlagen und ist für ihre besondere Rinde bekannt, die an die Panzerung römischer Legionäre erinnert. Der Baum ist zu einem der charakteristischsten Landschaftssymbole des südlichen Apennins geworden.

Auch die Tierwelt des Pollino gehört zu den reichsten im südlichen Apennin. In den ausgedehnten Wäldern leben zahlreiche Säugetiere wie der Wolf, die Wildkatze, der Fuchs sowie verschiedene Marderarten und der Dachs. Unter den kleineren Säugetieren finden sich seltene Arten wie der Baumschläfer und die Haselmaus. In den klaren Flüssen und Bächen des Parks lebt zudem die Europäische Fischotter, ein wichtiger Hinweis auf die gute Wasserqualität der Region. Auch die Vogelwelt ist vielfältig und umfasst mehrere Greifvogelarten, darunter den Steinadler und den seltenen Schmutzgeier. Neben der Natur besitzt das Gebiet auch eine besondere kulturelle Identität, denn einige Gemeinden gehören zur arbëreshë-Gemeinschaft albanischer Herkunft.

Die Idee zur Einrichtung eines Schutzgebietes im Pollino entstand bereits 1968 durch wissenschaftliche Institutionen und Umweltorganisationen. In den folgenden Jahrzehnten wurden erste Schutzmaßnahmen eingeführt und Projekte zur nachhaltigen Nutzung des Gebiets entwickelt. Schließlich wurde der Nationalpark Pollino 1990 offiziell gegründet. Heute stellt dieses Gebiet eines der bedeutendsten Naturreservate im Mittelmeerraum dar. Berge, Wälder, Flüsse und historische Dörfer bilden ein einzigartiges Ökosystem, das sowohl für den Naturschutz als auch für nachhaltigen Tourismus von großer Bedeutung ist.

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