Dienstag, 27.02.2024 08:50 Uhr

Yoichi Okamotos Schwarzweiß-Photographie in der ÖNB

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 26.11.2023, 16:54 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 6338x gelesen

Wien [ENA] Die neue Ausstellung "Bild Macht Politik" in der Österreichischen Nationalbibliothek gibt Einblicke in das fotografische Lebenswerk von Yoichi Okamoto, der von 1948 bis 1954 Leiter der Fotoabteilung des amerikanischen Informationsdienstes in Österreich war. Von 1948 an dokumentierte seine Bildabteilung den Marshallplan in Österreich, durchaus mit Schwarzweiß -Bildern von großer künstlerischer Innovation.

Damit inspirierte er eine ganze Generation von Fotograf*innen auf der ganzen Welt. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Yoichi Okamoto von Präsident Lyndon B. Johnson zum offiziellen Fotografen des Weißen Hauses ernannt. Durch seine Methode von ungestellten Aufnahmen, entstanden unvergleichlich viele persönliche Fotografien des Präsidenten während seiner Amtszeit zwischen 1963 und 1969. Okamoto gehört sicherlich zu jenen Fotografen, die mit den Möglichkeiten der Schwarzweiß-Fotografie experimentierten und dabei nicht nur Zeitgeschichte schreiben wollten, sondern auch Kunstwerke schafften, die sich als selbstständige Ikonen neben der Malerei behaupten sollten. Z.B. mit schemenhaften Darstellungen oder dramatischen Licht-Schatten-Effekte.

Besonders die Aufnahmen im Weißen Haus haben Seltenheitswert und zeigen schon einen Anflug von Social Media, eine Entwicklung, die mit dem Beginn der Fotografie wahrscheinlich schon angelegt war. Erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit sich Okamoto nicht nur im berühmten Oval Office auf Motivsuche machte, sondern sich auch in den privaten Räumen der Familie Johnson bewegte und dort Szenen festhalten durfte, die in ihrer bedeutsamen Normalität eine eigenartige Hybris von Politik und bürgerlicher Idylle darstellt. Bezaubernd das Foto von dem Ehepaar Johnson in einem weiß bezogenen Ehebett, während die Töchter in Unterwäsche und zwei Mitarbeiter anwesend sind. Damit möchte das Bild Politik in den sicheren Hafen von Vertrautheit holen.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
 
Info.