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42 Filmschoolfest Munich: Die Preisträger:innen

Verantwortlicher Autor: Filmfest München München, 19.11.2023, 18:25 Uhr
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München [Filmfest München] Am heutigen Samstagabend ging das 42. Filmschoolfest Munich mit seiner Preisverleihung erfolgreich zu Ende. Die Jury zeichnete den bewegenden Kurzfilm The Voice of Others (Frankreich) von Fatima Kaci mit dem Hauptpreis aus. Der Publikumspreis geht an THE FUSE von Kevin Haefelin (USA). Die Festivaljury (Aslı Özge, Younès Ben Slimane, Aida Begović, Mathias Barkhausen),

das Publikum sowie drei weitere Jurys wählten ihre Preisträger:innen dieses Jahr aus 40 Filmen. Zehn Preise – im Wert von knapp 40.000 Euro – wurden vergeben. Die Filme im internationalen Wettbewerb kamen 2023 von 35 Filmhochschulen, produziert wurde in 26 Ländern rund um die Welt. „Eine emotionale Woche liegt hinter uns, und eine Woche der Empathie, in der junge Filmschaffende in der HFF München ihre Werke präsentierten. Wir haben gelacht, wir haben geweint, und wir haben gemeinsam über tragische und wichtige Themen gesprochen und diskutiert.

Sechs Tage lang konnten wir einen offenen Raum für Dialog schaffen, der vielerorts so schwer möglich scheint – und dafür bin ich den Künstler:innen, unserem offenen Publikum und dem Team äußerst dankbar“, sagt Festivalleiter Christoph Gröner. Mit insgesamt rund 4.000 Besuchen ging die Festivalwoche erfolgreich zu Ende. In der Hochschule für Fernsehen und Film München konnten Besucher:innen die zehn Festivalprogramme, vier Sonderprogramme, zwei Schulvorstellungen, zwei Masterclasses und Workshops verfolgen. Zum allerersten Mal gab es auch spanisch- und französischsprachige Programme, die gut angenommen wurden.

Die Festivallounge, ebenfalls in der HFF, war ein beliebter Treffpunkt für die zahlreichen internationalen Gäste und Filmstudierenden. Auf dem diesjährigen Filmschoolfest wurde der israelische Kurzfilm THE BOY gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet. Der Film THE BOY, der das Leben eines Landwirts und dessen Sohn in der Nähe des Gazastreifens zeigt, erfuhr nicht nur aufgrund seiner aktuellen Thematik große Beachtung. Der Regisseur Yahav Winner wurde am 7. Oktober von den Hamas ermordet. In einem bewegenden Q&A im Rahmen des Filmscreenings kamen Winners Witwe Shaylee Atary, Hauptdarsteller Nimrod Peleg, Kameramann Ben Peled und David Noy (Head of Film Department, Minshar school for art, Israel) zu Wort.

Letzterer betonte: „This is not a memorial screening. And this is not a eulogy, but rather a celebration of Yahav, and his work, his art, his life. He was such a charismatic, good-hearted, compassionate person as you will see in [his] film.“ The Voice of Others von Fatima Kaci (La Fémis, Frankreich) wurde von der Festivaljury als bester Film mit dem VFF Young Talent Award ausgezeichnet. Der Preis wird von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF) gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die tunesische Dolmetscherin Rim erlebt täglich in Frankreich, wie eine unbedachte Antwort auf skeptische Rückfragen eine Zukunftshoffnung begraben kann und zerbricht langsam an der bürokratischen Härte von Asylverfahren.

Die Jury sagt: „Die Regisseurin beherrscht ihr filmisches Handwerkzeug perfekt, mit dem sie ihr Drehbuch in einen sehr fesselnden Film umsetzt.“ Die Festivaljury vergab auch den vom Münchner Traditionsunternehmen ARRI gestifteten ARRI-Preis für den Besten Dokumentarfilm (dotiert mit Sachleistungen). Er geht an Jesús Lacorte für To Die Before Dying (Elías Querejeta Zine Eskola, Spanien). In einem Dorf in der spanischen Extremadura begleitet eine tiefgläubige Mutter sorgevoll ihren Sohn bei seiner Ausbildung zum Stierkämpfer.

Die Jury sagt: „Der Filmemacher fängt intime Momente ein und schafft eindrucksvolle Bilder, in denen Tradition und Moderne miteinander in Konflikt stehen, während der junge Mann nach einem Weg in seine ungewisse Zukunft sucht.“ Der Preis für das Beste Drehbuch (2.000 Euro, gestiftet von Angela Waldleitner) geht an Drehbuchautor und Regisseur Yahav Winner für The Boy (Minshar school for art, Israel). Die Jury sagt: „Dieser Film macht uns eindringlich darauf aufmerksam, wie Krieg zu einer alltäglichen Realität werden kann. Wir bedauern zutiefst, dass er nicht hier sein kann, um seine großartige Leistung zu feiern.“

Den Animation Award (dotiert mit 5.000 Euro) stiftet dieses Jahr das erste Mal Adobe. Gewinner ist der Kurzfilm Essay for the Memory von Denise Vanesa Chirich Barreira (Facultad de Diseño y Urbanismo UBA, Argentinien). Vor dem Hintergrund der Erinnerungen an die Opfer der argentinischen Militärdiktatur geht er der Frage nach, wo Erinnerungen (auf-)bewahrt werden, die sich nicht auf einem Foto festhalten lassen. Die Jury begründet ihre Entscheidung: „Durch die Verflechtung der beiden Genres Animation und Dokumentarfilm werden auch Vergangenheit und Gegenwart, Politisches und Persönliches, Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses und Widerstand gegen Auslöschung ineinander verwoben.“

Der Panther-Preis für die Beste Produktion eines Films einer europäischen Hochschule geht dieses Jahr an Alisa Frischholz für The Other end of the Street von Kálmán Nagy (Filmakademie Wien, Österreich, Ungarn). Der Preis ist mit Sachleistungen im Wert von 5.000 Euro dotiert. Ein Streit zwischen Kindern hält ihren Vätern den Spiegel vor. Die latente Anspannung der Konfrontation, die auch eine zwischen gesellschaftlichen Klassen ist, führt zu einem moralischen Dilemma. Die Jury überzeugte die „scharfe Analyse des menschlichen Zustands […]. [Der Film] zeichnet das Porträt einer Gruppe von Menschen, die bis an ihre Grenzen getrieben werden, und erzeugt dadurch eine immer größer werdende Spannung.“

Der Student Camera Award (2.000 Euro, gestiftet von der Zeitschrift Film & TV Kamera) geht dieses Jahr an Today´s Sunlight Falls Weakly On You und damit an den Kameramann Song Zhi Yi (Lasalle College of the Arts, Singapur). Er arbeitete bei diesem Film mit Regisseur Lim Yuzheng zusammen. Ein seltsamer Schleier legt sich über das einsame Leben einer Frau und nimmt das Publikum somit auf eine schummrige Reflexionsreise über Verlust und Vergänglichkeit. Die Jury sagt: „Der emotionale Zustand der Protagonistin wird in hypnotisierenden Schwarz-Weiß-Bildern wiedergegeben, die kraftvoll die poetische Sprache des Films unterstützen.“

Arte-Zuschauer:innen werden demnächst in den Genuss von This Will Not Be A Festival Film von Julia Orlik (The Polish National Film, Television and Theatre School in Lodz, Polen) kommen, der mit dem ARTE-Kurzfilmpreis ausgezeichnet wurde. DIE ARTE-Jury (Barbara Häbe und Laurence Rilly) begründet ihre Wahl folgendermaßen: „Ein autobiografisch geprägter Film, der sich sensibel und treffend mit der Übergangszeit auseinandersetzt, die das Studium darstellt.“

Die Jury, die den mit 2.500 Euro dotierten, Wolfgang-Längsfeld-Preis vergibt (Alica Bednáriková, Laura Lybaschenko, Marco Serafini), würdigt im Gedenken an den Gründer des Festivals und HFF-Professor Wolfgang Längsfeld den originellsten Film und hat sich 2023 für The Load von Miranda Namicheishvili entschieden (Shota Rustaveli Film and Theatre / Tbilisi State University, Georgien). Der Film überzeugte die Jury „nicht nur wegen seines visuellen Stils und seiner innovativen Erzählweise, sondern auch wegen seiner bewegenden Geschichte.” Der Preis wird gestiftet vom Freundeskreis Wolfgang Längsfeld e.V..

Der Prix Interculturel (2.000 Euro, gestiftet von der Interfilm Akademie) geht an The Boy von Yahav Winner (Minshar school for art, Israel). Die Jury (Eckart Bruchner, Christine Weissbarth, Natalia Putintseva) war beeindruckt davon, wie „der Film [...] den Konflikt in betont ruhigen Bildern” erzählt. Beim Publikum kam The Fuse von Kevin Haefelin (Columbia University, USA) am besten an. Der Film wurde von den Zuschauer:innen, die bis Samstagmorgen um 11 Uhr für den Publikumspreis hatten abstimmen können, am besten bewertet. Der Audience Award ist dotiert mit 1.500 Euro und wird vom Freundeskreis Filmfest München e.V. gestiftet.

Überdies sprach die Filmschoolfest Munich Jury eine Lobende Erwähnung für Benjamin Kodboels Kurzdokumentarfilm CADÁVER aus (National Film and Television School, Vereinigtes Königreich). Die Jury sagt: „Dieser Film beschreibt das malerische Mittelmeer als das, was es für so viele ist: ein Grab. Der Regisseur fängt das Thema mit großem Einfühlungsvermögen und Taktgefühl in klaren Bildern ein.“

Im Sonderwettbewerb Climate Clips Award (Stifter: Nagelschneider Stiftung) wurden die Preise bereits beim Opening vergeben. Den mit 3.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielten Alina Saltheim, Céline Ahlbrecht und Ins Meyer aus Deutschland für JUST IN CASE. Mit dem 2. Preis (2.000 Euro) wurde Francesco S. Zecchin aus Österreich für NO ROOM ausgezeichnet. Der 3. Preis (1.000 Euro) ging an WHAT DO YOU DO? von Jonas Becher aus Deutschland.

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