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Radon im Haus, was nun?

Verantwortlicher Autor: F. Scheuerecker München, 02.06.2021, 15:06 Uhr
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Absaugung Bodenluft
Absaugung Bodenluft  Bild: consilium energia

München [ENA] Vermehrt nehmen Menschen Kenntnis von einer latenten Gefährdung durch das radioaktive Edelgas Radon. Sensibilisiert durch vereinzelte mediale Berichte von belasteten, meist kommunalen Einrichtungen, lassen doch immer mehr Leute ihre Wohnräume messtechnisch überprüfen.

Diese, überaus empfehlenswerte Vorsorge kann natürlich im Ergebnis auch zur Notwendigkeit der Abwehr einer festgestellten Belastung führen. Das ist zunächst ärgerlich, da man sich natürlich gewünscht hätte, dass der Befund negativ (also belastungsfrei) sein würde. Auf den zweiten Blick sieht die Sache anders aus, denn nun bietet sich die Chance eine Bedrohung für die Gesundheit abzuwehren, der man ansonsten durch Unkenntnis ausgeliefert gewesen wäre.

Radon ist überall

Die durchschnittliche Radonkonzentration beträgt in Deutschland in Innenräumen etwa 50 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Die Messwerte reichen von einigen wenigen bis zu mehreren tausenden Becquerel pro Kubikmeter. Da Radon ein Bodengas ist, spielt der Untergrund natürlich eine Rolle und wird in der behördlichen Festlegung von „Radonvorsorgegebieten“ berücksichtigt. Da in diesen Gebieten aufgrund ihrer geologischen Struktur ein größeres Potential feststellbar ist, gelten dort besondere Vorgaben. Letztlich ist es jedoch zweitrangig, ob sich im Untergrund eine Konzentration in der Bodenluft von 10 oder 100 Kilobecquerel befindet; entscheidend ist, ob das Gas in der Lage ist, in bedenklicher Menge in das Gebäude zu gelangen.

Radon ist ein Bauproblem

Entscheidend hierfür ist die Durchlässigkeit des Gebäudes mit seinen erdberührenden Bauteilen. Spalten und Risse sowie die Durchdringungen von Ver- und Entsorgungsleitungen sind Zugangswege. Auch bei kleinen undichten Stellen im Fundament kann Radon durch einen im Gebäude entstehenden Unterdruck angesaugt werden. Auch der Austausch der Raumluft durch Außenluft spielt eine wesentliche Rolle bei der Radonkonzentration. Wird der Luftwechsel verringert, beispielsweise durch ungenügendes Lüften, oder auch durch den Einbau dicht schließender Fenster und Türen, kann die Raumluftkonzentration von Radon erheblich ansteigen, wenn vorhandene Radonzutrittswege nicht abgedichtet werden. Vertiefende Information zum Thema auf: www.radonberater.de

Sanierungsbeispiele

Eine notwendige Sanierung kann im Einzelfall eine durchaus aufwendige und kostenintensive Sache sein. Hier ein paar Beispiele, bei welchen es möglich war mit minimalem Aufwand das Problem vollständig zu beseitigen. Allen genannten Beispielen ist gemein, dass eine gezielte Befragung der Gebäudenutzer zu Bau-, Umbau- und Nutzungsgegebenheiten der Immobilie stattfand; wobei ein Objekt vor Ort begutachtet wurde. Bei den anderen Objekten gab es lediglich telefonischen Kontakt.

Ort Starnberg, Oberbayern: 200-jähriges Bauernhaus mit angebundenen Neubau. Gebäude nicht unterkellert. Radonbelastung in den Wohnräumen 400 Becquerel/cbm. Berichtet wurde über die Verfüllung eines Vorratskellerraumes mit Riesel unter einem Teil des alten Gebäudes. Untergrund üblicherweise lehmig; vermutlich wurde diese natürliche Sperrschicht mit der Abgrabung durchbrochen. Lösung: Die Rieselschicht wurde oben abgetragen, ein Drainagerohr über den vorhandenen Lichtschacht abgedichtet eingebracht und mittel Rohrlüfter abgesaugt. Damit wurde Radon belastete Bodenluft erfolgreich entfernt, bevor sie durch die nicht diffusionsdichte Bodenkonstruktion ins Gebäude gelangen kann. Ergebnis: unter 50 Becquerel/cbm.

Ort Landshut, Niederbayern: Neubau unterkellert, Radonbelastung in den Wohnräumen 500 Becquerel/cbm. Nach der Bausituationsbeschreibung wurde empfohlen die zum Mauerwerk gut abgedichteten Leerrohre zu den, in ihnen geführten Rohre provisorisch mit einer elastischen Dichtmasse abzudichten. Die Abdichtung der Rohre zur Regenwasserzisterne konnten so als Eintrittspfad für das Radongas identifiziert und geschlossen werden. Ergebnis: 30 Becquerel/cbm.

Ort Traunstein, Oberbayern: Neubau unterkellert, Hanglage. Radonbelastung in den Wohnräumen 800 Becquerel/cbm. Ein Kanal für Heizungsrohre verbindet einen Hohlraum unter der Bodenplatte des Wohngebäudes mit einem Technikraum unter einer großen Garage welcher ein kleines Schwimmbad versorgt. Eine Absaugung der Luft aus diesem Schacht über den Technikraum ins Freie senkte die Radonkonzentration im Gebäude auf unter 50 Becquerel/cbm.

Die genannten Beispiele haben keinen repräsentativen Anspruch, sie sollen aber zeigen, dass eine sachkundige Beratung, auch mit minimalem Aufwand in der Ausführung von Maßnahmen, zur Lösung führen kann. Bei den beschriebenen Fällen war schon ein bisschen handwerkliches Geschick der Eigentümer bei überschaubarem Materialaufwand zielführend.

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